{{postCount}} Bali: Im Reich der Götter
Indonesien

Bali: Im Reich der Götter

Mit seinen Reisterrassen, Regenwäldern, Traumstränden, Tempeln und Vulkanen ist Bali so einmalig schön, dass es keinen Zweifel geben kann: Hier waren höhere Mächte im Spiel

Jetzt nur noch eine duftende Frangipani-Blüte! Die junge Frau im gemusterten Sarong hat aus den Trieben von Bananenpalmen ein kleines Körbchen geflochten, hat Reiskörner und eine Nelkenzigarette hineingelegt. Jetzt greift sie in ein Tablett voller bunter Blumen. Aus einem Plastikfläschchen spritzt sie Tuak über das Arrangement, balinesischen Palmwein, dann ist das Körbchen fertig. Ein paar Räucherstäbchen werden angezündet und durch die Lüfte geschwenkt; ihre duftenden Schwaden sollen den Geist der Opfergaben zu den Göttern transportieren. Die junge Frau stellt das Körbchen vor die Tür ihrer kleinen Garkürche in einem Dorf bei Kerambitan im Süden Balis. Nun kann sie beruhigt ihre Sate-Spießchen grillen: Die bösen Geister dürften, jedenfalls fürs Nächste, ihren Street-Food-Laden vor Unheil verschonen.

Duftende Opfergaben an jeder Straßenecke

Bali ist einfach göttlich. Und das ist wörtlich gemeint: Die Insel ist eine hinduistische Enklave weit im Osten des Inselmeers Indonesien, dem Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt. Neben etwa vier Millionen Balinesen wohnt auf Bali eine ganze Heerschar von Göttern, dazu Geister, Dämonen und verstorbene Ahnen, die in Abertausenden Tempeln verehrt, mit Opfergaben beschwichtigt und in unzähligen Zeremonien gefeiert werden. Der balinesische Hinduismus ist eine exotisch bunte Religion voller Blumen, Geheimnisse, Rituale, Räucherstäbchen, die den Alltag viel tiefer durchdringt, als wir im Westen mit unseren geregelten Gottesdienstzeiten uns das vorstellen können. Fast immer wird irgendwo geopfert, getanzt, gefeiert. Auf den Dorfplätzen treffen sich abends die Schattenspieler, Gamelan-Orchester spielen ihre mystischen Lieder. Das melancholische Plingpling der Gongs, Xylofone und Trommeln gehört zur meditativen Dauerberieselung. Und nicht nur jedes Dorf hat mehrere Tempel, zu jedem Hof gehört einer. Und noch in der kleinsten Wohnung ist Platz für einen Hausaltar. Natürlich sind da auch die weltberühmten balinesischen Tempelanlagen, an denen sich die Touristen und Touristinnen drängen – der Meerestempel Pura Tanah Lot an der Südküste zum Beispiel, der auf einem Koralleninselchen errichtet wurde und bei Flut ganz vom Meer umspült wird. Oder der Wassertempel Pura Ulun Danu Bratan, dessen Pagodendächer sich am Ufer des Bratansees in den Wäldern der nordbalinesischen Vulkanlandschaft gen Himmel schwingen. Doch die größte Sehenswürdigkeit auf Bali ist die gelebte Alltagsreligiosität – und die üppige, tropische Natur, vor der sie sich abspielt. Auch sie hat etwas Göttliches an sich.

Der besondere Tipp

Im Nordwesten Balis, schön weit weg von jeglichem Rummel und in Sichtweite zu Java, liegt der Nationalpark Taman Nasional Bali Barat. Mangrovensümpfe, Trockenwälder, Palmsavannen, Monsunwälder? Alles da. Mit etwas Glück kann man sogar Hirsche in freier Wildbahn beobachten. Und die vorgelagerten Korallenriffe zählen zu den schönsten Tauchund Schnorchel-Revieren Asiens.

Jedenfalls vermag man sich kaum vorstellen, dass es Menschen waren, die Balis berühmte Reisterrassen in die Regenwaldhügel des Binnenlandes gegraben haben. Die schönsten Reisterrassen liegen in der Flussschlucht beim Städtchen Ubud, das mit seinen vielen Kunsthandwerkern und Galerien als das kulturelle Herz der Insel gilt. Herrlich sind die Reisterrassen auch im Sidemen-Tal anzusehen, das sich im stillen und ländlichen Karangasem-Bezirk im Osten Balis versteckt.

© Joachim Negwer

Freitreppen für Götter und Geister

Hinter breiten Bananenblättern fächert sich Grün in allen denkbaren Schattierungen auf, fällt in geschwungenen Treppenstufen zum Telaga-Fluss ab wie Freitreppen für die Götter. Darüber Dschungel und – manchmal, hinter den Wolken – ein Aufblitzen des Gunung Agung, des 3.000 m hohen, heiligen Vulkans. Wasser plätschert durch schmale Kanäle, am Straßenrand schneidet eine barbusige alte Frau Kräuter. Um das Land zu erkunden, mietet man sich am besten einen der zigtausend Scooter, die Tag für Tag über die Insel knattern. Und macht sich damit beispielsweise auf in das uralte Dorf Tenganan, im Südosten Balis, wo noch traditionelles Handwerk wie die Weberei betrieben wird. Bis ins ursprüngliche balinesische Dorf eben ist es aber ohnehin immer nur ein Katzensprung. Überall ist sie anzutreffen, diese friedliche Welt aus Tempeln und Wohnhäusern unter geschwungenen Ziegeldächern, Bananenpalmen und gackernden Hühnern vor Vulkangipfeln. Alte Männer im kurzen, karierten Wickelrock. Frauen unter Kegelhüten, die bis zu den Waden im dunklen Schlamm der Reisfelder stehen. Oder der Dorfschmied, der neben der Esse, am Schrein des Feuergottes, eine Gabe aus prächtigen Blumen und einem eingeschweißten Salzcracker deponiert.

© Joachim Negwer

Sonnenuntergang am Canggu Beach

Bali steht aber natürlich auch für schier grenzenlosen Badespaß: Die endlos langen Sandstrände, die donnernde Pazifikbrandung, rauschende Palmen und beste Surfmöglichkeiten haben Bali seit den 1980-er-Jahren in der ganzen Welt bekannt gemacht. Die Strände nahe der Hauptstadt Denpasar – Kuta, Legian, Seminyak – haben sich zum quirligen Mallorca Südostasiens entwickelt, wobei die meisten Sonnenanbeter aus Australien anreisen. Für alle, die es besonders schön haben wollen am Meer, geben Einheimische häufig zwei gute Tipps: Sie empfehlen den schneeweißen Sandstrand von Nusa Dua auf der Halbinsel Bukit. Zum Sunset dagegen gebe es nur eins: „Da muss man zum Canggu Beach!“ In der Tat: Nirgendwo versinkt die balinesische Sonne dramatischer im Meer als hier an der Westküste – und nirgendwo gibt es hippere Beach Bars, um darauf anzustoßen.

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