{{postCount}} EISZEITLICHES MEISTERWERK
Diese Bilderserie zeigt, was für ein grandioses Meisterwerk die Landschaft des Ostallgäus ist.

EISZEITLICHES MEISTERWERK

Schöpferisches Eis am Aggenstein

Herzklopfen, Gänsehaut und eine Portion Demut vor dieser Schöpfung – wer von den Gipfeln in die Ostallgäuer Landschaft blickt, der empfindet einiges. Wie hier im Gebiet des Aggensteins bei Pfronten hat sich vor Jahrmillionen die Spannung der Erde entladen und voller Urkraft mächtige Platten gepresst und emporgefaltet.

Hauptakteur aber war das Eis. Als es schmolz, schmirgelte es Bergriesen zu Kalkzähnen und runden Rücken, schürfte Täler, Flussbetten und Seebecken aus und schob Kies zu Moränenhügeln auf. So entstand eine enorm vielfältige Landschaft und damit die Urwiege für mehrere Tausend Pflanzen- und Tierarten: „Auf sehr kleinem Raum haben wir hier völlig unterschiedliche Lebensräume und so eine unglaublich hohe Biodiversität“, erzählt Tom Hennemann begeistert. Als Gebietsbetreuer des Ostallgäus hat er den Bestand von Steinböcken, Mauerläufern, Auerhühnern, Thymian-Ameisenbläulingen und schwarzen Kohlröschen genau im Blick. Letzteres gehört zu den Orchideen und duftet sanft nach Zimt. Das Ostallgäu – ein durch und durch sinnliches Erlebnis.

Blühende Paradiese in Kaufbeuren

In einer der Gassen mit den bunt gestrichenen Häusern in der Kaufbeurer Altstadt ist sanftes Brunnenplätschern zu vernehmen. Wer dem Geräusch folgt, gelangt durch ein Tor in einen Garten Eden. Prächtige Blumen, üppige Stauden und alte Bäume wachsen auf einer Seitenmoräne aus der Eiszeit den Steilhang hinauf. Die Sieben Söhne des Himmels, Taschentuchbaum, Erdbeerjasmin – schon die Namen klingen nach Paradies. Sie sind die Exoten im Berggarten des Crescentiaklosters; sonst gedeihen hier vor allem heimische Pflanzen, sogar wilde Lilien aus dem Wertachtal. Angelegt nach den Strophen des Sonnengesangs von Franz von Assisi, inspirieren Tafeln mit Fragen zum Nachdenken.

„Solche Paradiese sind wichtige Ruheoasen für die Menschen. Außerdem schenken Gärten einer Stadt eine freundliche, duftende Atmosphäre“, meint Hans Peter Titze, der den Besinnungsgarten zusammen mit anderen Ehrenamtlichen pflegt. In der Erde graben, sehen, wie etwas über die Jahreszeiten hinweg gedeiht – den Hobbygärtner macht das zufrieden, vor allem, wenn er in die lächelnden Gesichter der Besucher blickt.

Stille Helden: die Moorlandschaft im Ostallgäu

Bei ihrer Brautschau glucksen Hunderte Teichfrösche um die Wette, an einer Moorkiefer klopft der Specht, und Libellen jagen mit bis zu 50 km/h ihre Beute. Der fleischfressende Sonnentau muss mit seinem Mahl hingegen warten, bis Insekten an seinen raffinierten Klebefallen hängen bleiben.

Die Vielfalt in der Ostallgäuer Moorlandschaft ist exorbitant, deshalb ist sie sogar bundesweit bedeutsam. Hier sind über 100 stark bedrohte Tier- und Pflanzenarten beheimatet“, erklärt Simone Reylaender von der Allgäuer Moorallianz. Dazu zählt zum Beispiel der Hochmoorgelbling, ein Überbleibsel der Eiszeit, der anderswo bereits ausgestorben ist. Der Schmetterling steht auf die Rauschbeere, die er im Hochmoor findet, und braucht blühende Wiesen gleich nebenan. Ein Kreislauf, in dem einer ohne den anderen nicht überleben kann. Von den 14.000 Hektar Moorlandschaften im Projektgebiet der Moorallianz liegen zwei Drittel im Ostallgäu. Sie sind stille Helden in Sachen Klimaschutz: Weltweit binden Moore doppelt so viel Kohlendioxid wie alle Wälder auf dem Planeten.

Glückbringende Orte: die Kurfürstenallee in Marktoberdorf

Stattliche Riesen stehen in der Kurfürstenallee Marktoberdorf neben ihren schmalen Nachkommen und säumen den Weg von der Bayerischen Musikakademie bis zum Waldberg. Mit ihren Furchen und knorrigen Ästen sieht jede der 620 Winterlinden aus wie eine Persönlichkeit. Bienen lieben das Naturdenkmal als Nektarquelle, seltene Käfer als Heimat, Fledermäuse nutzen die Allee nachts als Flugtrasse.

„Solche Orte machen die Menschen glücklich“, meint Landschaftsarchitektin Gudrun Dietz-Hofmann, „da fällt ganz viel von ihnen ab, weil hier das pure Leben ist.“ Ganz im Sinne von Kurfürst Clemens Wenzeslaus, der die barocke Allee von 1774 bis 1780 anlegen ließ. Er wollte sich nicht nur im Schatten auf einer Sänfte zum Aussichtspunkt tragen lassen, sondern auch der Nachwelt eine Quelle der Erholung und des schönen Naturgenusses hinterlassen, wie aus historischen Schriften hervorgeht. „Es ist unsere Aufgabe, solche Plätze im Ostallgäu zu erhalten und neue zu schaffen. Wir sollten sie aber aus der Landschaft heraus entwickeln, damit sie sich harmonisch in den Raum einfügen.“