{{postCount}} Nichts los auf dem Dorf? Von wegen!
Was macht einen Ort auf dem Land lebenswert? Eine Dorfgemeinschaft. Doch vielerorts geht verloren, was Dörfer jahrhundertelang prägte. Ein Gegenbeispiel.

Nichts los auf dem Dorf? Von wegen!

Die Zuschauer holen erschreckt Luft. Der Grabstein ist laut zu Boden gekracht. Doch aus dem Grab steigt nicht der Auferstandene, sondern ein Engel leuchtet hell in die Reihen. Waal ist eine kleine Berühmtheit. Die Passions- und Heiligenspiele haben den 2400-Seelen-Ort überregional bekannt gemacht. Ausschließlich Laiendarsteller stehen auf der Bühne, singen im Chor oder spielen im Orchester, vom Baby im Kinderwagen bis zum über 80-Jährigen. 170 der Mitwirkenden sind Einheimische, 50 aus einem Umkreis von 30 Kilometern.

Damit erneuern sie ein Gelübde, das ihre Vorfahren 1621 gegeben haben: Wenn Gott sie vor der Pest verschont, werden die Spiele aufgeführt. „Da sind ganze Familien generationenübergreifend aktiv. Das Miteinander ist wirklich überwältigend schön“, schwärmt Ulrike Propach aus Marktoberdorf, die die Öffentlichkeitsarbeit macht und selbst mitspielt. Wer jetzt denkt, das wär‘s mit dem Engagement, täuscht sich. Viele Waaler sind in mehreren Vereinen und Arbeitskreisen aktiv.

Das Miteinander ist wirklich überwältigend schön.

– Ulrike Propach, Kommunikation Passionsspiele Waal

Sie leben vor, wie Menschen einen Ort lebendig halten und liebenswert machen.

Sie verstehen ihre Dorfgemeinschaft als wichtige Basis, um den alltäglichen Herausforderungen des Lebens zu begegnen. Das bedeutet nicht, dass jeder mit jedem kann. So wie es eben ist, wenn Menschen mit individuellen Bedürfnissen und unterschiedlicher Herkunft aufeinandertreffen und persönliche Freiheiten für viele immer wichtiger werden. „Ein Großteil ist hier stark verwurzelt. Da gibt es Familien, die seit Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten da sind. Aber Waal ist auch sehr offen für Menschen von außen“, erzählt Bürgermeister Robert Protschka, selbst ein Waaler. Er mag es, wenn neue Impulse ins Dorf kommen wie zum Beispiel mit den Kunsthandwerker oder dem französischen Konditor, die den Ort zu ihrer Heimat auserkoren haben.

Das Traditionelle ist uns genauso wichtig wie das Neue.

– Robert Protschka, Erster Bürgermeister

Wichtig ist Protschka, dass alle am Dorfleben teilnehmen können und es genug Möglichkeiten gibt, damit sich Menschen begegnen können. Dazu zählen Projekte wie das Quartiersmanagement, aber auch das neue Bürgerhaus oder die Kneippanlage an der Singold, die zwischen großen Kastanienbäumen durch den Ort fließt. Nur ein paar Schritte davon entfernt ist der Dorfladen. Diesen gäbe es ohne engagierte Einheimische schon lange nicht mehr. Als 2013 die Pächterin des Edekageschäfts in Rente ging, war ihnen schnell klar, dass damit der Mittelpunkt fürs Gemeinschaftsleben wegbricht. Geburtsstunde des heutigen Ladens war ein Grillabend von ehemaligen Gemeinderäten.

Der Laden ist ein wichtiger Treffpunkt. Ein Dorf braucht Menschen, die etwas voranschieben.

– Hartmut Gieringer, Dorfladen

300 Waaler hatten durch das Zeichnen von Anteilen das notwendige Kapital eingebracht. „Der Dorfladen macht einen Haufen Arbeit“, berichtet Hartmut Gieringer, einer von drei ehrenamtlichen Geschäftsführern und ein „Zugezogener“, „aber wenn wir sehen, wie sich besonders die Jüngeren und Älteren freuen, wenn sie zu Fuß einkaufen können, ist das ein Luxus.“

Weiterführende Informationen

Mehr Informationen zur Dorfgemeinschaft Waal finden Sie hier.
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