
EIN ORT ZUM ANKOMMEN
Der Mächlerhof von Julia und Stephan Babel am Südhang des Auerbergs ist aus der Zeit gefallen. Oder besser: Hier tickt sie einfach ein bisschen anders. Langsamer vielleicht?

Demut, Respekt und ein bisschen Verrücktheit – und dann einfach mutig durchstarten.
Die Bilder von damals zeigen: Es brauchte viel Visionskraft, diesen Ort neu zu denken.
Andere hätten hier die Abrissbirne kreisen lassen, doch das kam für die Babels nicht infrage. Wer aufmerksam durch das Haus geht, sieht überall große und kleine Details, in denen das ursprüngliche Gebäude hervorschimmert wie eine Anekdote einer vergangenen Zeit. „Hier war einst der Stall“, erzählt Julia Babel und zeigt im Restaurant auf die alten Holzbalken an der Decke. Hinter der langen Tafel ist sogar das einstige Plumpsklo erhalten, natürlich restauriert und nicht mehr in Gebrauch. Überall haben die beiden selbst angepackt – ohne Architekten und mit vielen beherzten Entscheidungen. Im Garten stehen Tiny-Häuser, eines davon war früher das Bienenhäuschen, der Schweinestall ist heute Fitnessschmiede und Seminarraum für Unternehmen – mit alten Hobelbänken und modernster Konferenztechnik. Und im einstigen Holzlager saunieren ihre Gäste und ruhen mit Blick auf die Berge in gemütlichen Liegen. „Wir leben diesen Ort und er wächst auch mit den Menschen, die zu uns kommen. Hier schlagen wir ein neues Blatt auf und schreiben die Geschichte fort. Wir sind keine Betreiber. Der Mächlerhof ist unser Lebensentwurf und nichts, was sich jemand am Reißbrett ausgedacht hat.“
Was die Babels eint, ist ihre Leidenschaft, mit der sie sich für ihren Mächlerhof einsetzen – jeder auf seine Weise.
„Stephan ist ein absoluter Visionär und Unternehmer. Ein waschechter Mächler eben, wie man hier im Allgäu sagt und packt einfach an“, meint Julia Babel. So kam der Hof auch zu seinem Namen. „Das ist das Babel-Gen“, meint ihr Mann und lächelt. „Meine Frau ist dafür sehr akribisch und bringt die notwendige Struktur mit, die es für so ein Projekt braucht“, ergänzt der Gastgeber. So füllen beide viele Rollen aus und entdecken dabei sich selbst immer wieder anders. Inspiriert sind sie von der Nähe zur Natur, die ihren eigenen Rhythmus hat und sich durch ihr Tun zieht wie ein roter Faden. Ob es die großen Sichtfenster nach draußen sind oder die Gerichte von Stephan Babel, für die der Koch nur Zutaten verwendet, die der kleine Hofbetrieb und die ausgesuchten regionalen Anbieter liefern können. Nicht immer ist alles verfügbar und das ist für das Paar genau richtig so. Gäste können sich immer neu überraschen lassen: „Das Schönste als Gastgeber ist, wenn die Menschen uns zurückspiegeln, dass es ihnen hier gefällt und der Platz ihnen gut tut. Dann erfüllen wir unsere Mission.“



