EINFACH MACHEN





Auf Eis bauen
Kein Wunder, dass dieser Mann immer gute Laune hat: Naschen gehört für Giuseppe Montuori zum Beruf. Sobald es sonnig und warm ist, fährt „Beppo“ mit seiner elektrobetriebenen Eiskutsche durch die Altstadt von Füssen und verwöhnt die Menschen mit seinen Kreationen. „Für mich sind diese Begegnungen Momente des Glücks. Sie geben mir die Kraft, das zu tun, was ich möchte.“

Sommerglück in der Waffel: Eis und
Begegnungen sind Beppos Lebenselixier.
Im Westerwald im Eiscafé seiner Eltern groß geworden, brachte ihn die Geburt seines ersten Sohnes ins Nachdenken. Mit der Idee einer mobilen Eiskutsche erweckte er nicht nur die Tradition seines Vaters zum Leben, sondern erfand sich zugleich selbst neu. Vancouver, Hongkong – viele Orte hätte er sich vorstellen können. „Doch meine Frau liebt Wasser und Berge – und es war pure Fügung, die uns ins Ostallgäu gebracht hat. Als wir vor vielen Jahren hier ankamen, stand der Vollmond über der Landschaft und in diesem magischen Augenblick konnte ich alles Alte loslassen und voller Freude ins Neue gehen.“
„Das Leben ist ein Wunder! Aus Zufriedenheit und Dankbarkeit wächst die Kraft für Veränderungen.“

Aufbruch wagen
„Radpilgern beginnt dort, wo die Komfortzone endet“, meint Pfarrer Jürgen Nitz. Sonne, Regen oder Gegenwind – wer sich auf dem Fahrrad den Naturkräften aussetzt, lässt ein Stück Kontrolle hinter sich. Dafür öffnet sich zwischen langen Wegen, stillen Dorfkirchen und weitem Bergblick ein Raum jenseits des Alltags. „Überraschend sind vor allem die Begegnungen, denn hier kommen Menschen zusammen, die normalerweise nichts miteinander zu tun hätten.“

Pfarrer Jürgen Nitz inspiriert Radpilger auf dem Jakobsweg zur inneren Einkehr.
Der „Radpfarrer“ verbringt jedes Jahr bis zu 4000 Kilometer auf dem Sattel und erkundete im Ostallgäu eine radtaugliche Strecke auf dem Jakobsweg Richtung Santiago de Compostela. Aus seinen GPS-Tracks wurde mithilfe von Spenden eine beschilderte Pilgerroute, zudem begleitet er Gruppentouren.
Wer auf dem Jakobsweg unterwegs ist, sucht oft mehr als nur die wunderbare Landschaft, erklärt der Pfarrer. „Es kommen sehr tiefsinnige Menschen, die eine neue Richtung im Leben finden möchten und das Radfahren bringt auch Bewegung in den Geist.“
„Wer das Gewohnte hinter sich lässt, öffnet die Tür zu neuen Erfahrungen.“

Der Neugier folgen
Diese Frau ist Mut auf zwei Beinen. Das Leben von Theaterpädagogin Monika Schubert ist so bunt wie die Filme, die sie in ihrer Filmburg zeigt. „Das liegt daran, dass ich so neugierig bin. Für mich ist das die Voraussetzung, um ins Handeln zu kommen. Der Zweifler in mir ist ziemlich klein“, erzählt die Marktoberdorferin. Als junge Frau war sie mit ihrer Kamera in der Welt unterwegs und filmte dokumentarisch Land und Leute.

Das markante Gebäude der Filmburg von 1956 ist heute denkmalgeschützt.
Später quittierte sie den Schuldienst, um Theaterpädagogin zu werden, und eröffnete in Marktoberdorf die Theaterschule mobilé, die sie 40 Jahre leitete. Vor 25 Jahren bekam sie das Angebot, das Programmkino zu übernehmen. „Ich hatte keine Ahnung davon, aber Lust darauf. In der Entscheidungsphase habe ich mir deshalb hier nachts Filme angeschaut und gespürt, wie gut es sich anfühlt.“ Die Filmburg ist nicht nur ein Programmkino, sondern Kultureinrichtung und Treffpunkt zugleich und damit genauso, wie es der Betreiberin gefällt.
„Einfach mal im Kopf spinnen und Luftschlösser bauen. Der Sprung ins Blaue kostet oft weniger, als zunächst gedacht.“

Gegen den Strom schwimmen
Ein mandelartiger Duft weht im Frühjahr über die Felder von Familie Wörle in Buchloe. Wie ungewöhnlich der Anblick von Aroniabüschen im Allgäu vor wenigen Jahren noch war, weiß heute kaum noch jemand. Doch damals bedeuteten sie vor allem eines: gegen den Strom zu schwimmen.
„Was macht der Wörle jetzt schon wieder?“, erzählt Franziska Wörle über die Gespräche im Dorf, als ihr Vater die schwarze Apfelbeere anpflanzte und damit der erste im bayerischen Allgäu war. Das Rosengewächs aus Nordamerika passte perfekt zum raueren Klima und bald stellten die Wörles Saft her. „Anfangs dachten die Leute, Aronia sei ein Zirkus. Wir mussten viel erklären und Verarbeiter finden, die zu unseren Werten passen.“

Aroniabeeren sind reich an Antioxidantien, Vitamin C und Mineralstoffen.
Bis auf die Verarbeitung kümmern sich Franziska Wörle und ihr Lebenspartner Daniel Kratzer vom Anbau bis zum Vertrieb um alles selbst – nebenberuflich. Und auch weitere Experimente mit der gesunden Beere sind geplant: Den ersten Aronia-Wein haben sie bereits verkostet.
„Man sollte auf das hören, was sich richtig anfühlt.“