VOM CODE ZUR KUNST
Was für ein Wagnis! Als Tech-Unternehmer kaufte Manfred Rietzler 2016 das damals insolvente Festspielhaus in Füssen. Schritt für Schritt holte er es aus der Krise und verhalf ihm wieder zu einem positiven Image. Ein Interview über Mut und Plan B.
Was hat Ihnen die Entschlossenheit gegeben, das Festspielhaus Neuschwanstein neu zu beleben?
Als Ostallgäuer habe ich mich dafür zuständig gefühlt. Ich konnte nie verstehen, wie so ein tolles Haus in dieser Lage an einen Punkt kommen konnte, an dem es niemanden mehr kümmert. Außerdem hat mich die Herausforderung gereizt, aus dem Festspielhaus etwas zu machen. Als Innovationstyp gehe ich gerne neue Sachen an. Dennoch: Ich bin auch Realist und mir war klar, dass es kein Renditeobjekt sein wird, dafür aber positive wirtschaftliche Auswirkungen auf die Region haben könnte. Das hat jetzt eine Studie der Hochschule Kempten bestätigt.
Das Festspielhaus Neuschwanstein soll ein Leuchtturm der Region bleiben.
Wie definieren Sie für sich das Thema Mut?
Wenn es Modelle für etwas gibt, ist es meist einfach, etwas Neues anzugehen. Risikobereitschaft heißt für mich, sich in Bereiche vorzuwagen, die nicht genau kalkulierbar sind und bei denen man nicht weiß, wie die Zukunft aussehen wird. Für mich war das „Ja“ zum Festspielhaus Neuschwanstein sicher eine meiner mutigsten Entscheidungen im Leben, denn sie war mit vielen Unsicherheiten verbunden. Zum ersten Mal hatte ich kein klares Ziel vor Augen, ich war fremd in dem Metier, die Historie des Hauses war turbulent und trotzdem glaubte ein Teil von mir daran, dass es klappen könnte. Es war eine reine Bauchentscheidung.
Als Unternehmer haben Sie schon viele Start-ups begleitet. Was raten Sie Menschen, wenn Sie vor einem großen Schritt stehen?
Als Erstes muss man sich mit einer Entscheidung wohlfühlen. Dazu gehört auch eine Portion Optimismus, dass es gelingen kann. Zweitens sollte es unbedingt einen Plan B geben, denn wenn alles schiefgeht, darf es nicht die Existenz gefährden. Und drittens braucht es gute Leute, denn letztendlich entscheidet das Team über den Erfolg. Deshalb überlege ich mir genau, wen ich auf eine Reise mitnehme. Genauso ist es auch beim Festspielhaus: Mit über 70 Festangestellten und 400 Minijobbern ist es mittlerweile ein richtiges Unternehmen geworden. Ich habe das Glück, von Leuten umgeben zu sein, die andere Stärken einbringen als ich selbst, zum Beispiel im künstlerischen Bereich.
