
ZUKUNFT WÄCHST IM WALD
Zwischen alten Wurzeln und jungen Trieben gedeiht das Morgen. Um den Wald zu stärken, braucht es Weitblick und Visionskraft.
Schutzschild am Hang
Leon Mahlkow, Forstrat Bayerische Forstverwaltung
„Im Wald braucht es Mut, etwas Neues auszuprobieren“, erklärt Leon Mahlkow auf 1.200 Metern Höhe an einem Steilhang des Falkensteins und zieht den Bohrstock aus dem Waldboden. Die schmale Säule gibt Schicht für Schicht Auskunft darüber, wie tief, feucht und nährstoffreich der Boden ist und für welche Baumarten der Standort geeignet ist. Ziel ist es, Monokulturen aus Fichte immer mehr zu durchmischen. Da jede Baumart ihre eigenen Stärken mitbringt, bilden sie zusammen stabile Netzwerke, die Krisen wie Stürme und Trockenheit besser überstehen. Bergwälder schützen zudem vor Naturgefahren wie Lawinen und Steinschlägen. Ein klimaresistenter Wald entsteht aber nicht von allein. Um ihn mit gezielten Eingriffen zu schaffen, stützen sich Mahlkow und sein Team neben ihrem Fachwissen auf Forschungsergebnisse der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. „Zunächst schöpfen wir aus einer Palette an heimischen Bäumen, dann erst suchen wir nach Alternativen. Wir wollen auch Erfahrungen mit anderen Baumarten aus wärmeren Regionen sammeln, wie zum Beispiel mit Douglasie oder Atlaszeder.“ Die ersten Ergebnisse seiner Entscheidungen wird Mahlkow frühestens im Rentenalter sehen: „Wir haben zwar Prognosen, aber es kann Generationen dauern, bis neue Waldstrukturen aufgebaut und etabliert sind.“
Wir brauchen einen vielstufigen Wald, um das Risiko beim Waldumbau zu streuen.
Klimaschützer auf nassem Boden
Johannes Götz, Projektkoordinator Initiative Zukunftswald Bayern
In einem Waldstück bei Kraftisried nimmt Johannes Götz einen schmalen Abzweig. Nach ein paar Metern verändert sich die Szenerie komplett: Die einheitlichen Fichtenbestände weichen den bizarr geformten Silhouetten der Spirken und Moorbirken mit ihrer hellen Rinde. Unter den Schritten federt der Boden leicht, er ist bedeckt mit Torfmoosen und Sträuchern der Moosbeere, dazwischen blitzen die buschigen Köpfe der Wollgräser hervor. „Solche Moorwälder sind Extremstandorte. Diese Mystik und die Ruhe faszinieren mich und machen mich auch ein bisschen ehrfürchtig“, erzählt Götz. Im Rahmen des Sonderprogramms „Initiative Zukunftswald Bayern“ der Bayerischen Forstverwaltung kümmert er sich um die Moorflächen, die im Ostallgäu bayernweit einen besonders hohen Anteil einnehmen. „Ziel ist es, solche Randbereiche zwischen Nutz- und Moorwald naturnäher zu gestalten.“ Zusammen mit den Waldbesitzern wählt er Bäume zum Fällen aus, damit junge Zukunftsbäume genug Licht bekommen, um sich durchzusetzen. Gerade die typischen Moorbäume würden sonst von Fichten überwachsen und diesen besonderen Lebensraum aus dem Takt bringen. Denn das Moor ist der stille Held im Klimaschutz. Es speichert Wasser wie ein Schwamm und schützt so vor Hochwasser und Trockenheit.
Bei jedem Eingriff behalten wir das große Ganze im Blick.
Verantwortung mit Wurzeln
Monika Reichert, Privatwaldbesitzerin
Nur ein paar Meter sind es von ihrem Bauernhof oberhalb des Weißensees bis zu ihrem Waldstück. Vorne im Hoflader liegen ein paar Bäume und Sträucher, mit denen Monika Reichert die 4,5 Hektar weiter verjüngen und vielfältiger machen wird. Der Wald begleitet ihre Familie seit Generationen. Als Kind war er ein riesiger Abenteuerspielplatz, heute ist er ihr Herzensprojekt. „Ich sehe mich ganz in der Verantwortung, unseren Wald in die nächste Generation zu bringen. Mein Opa hat die Auswirkungen des Klimawandels ja noch nicht gekannt, da war das Holz stehendes Kapital.“ Für die Umgestaltung lässt sich Reichert, so wie viele andere der über 19.000 Privatwaldbesitzer in der Region, von Förstern beraten. Ihr geht es aber um viel mehr: „Ich möchte meinen Kindern meine Wertschätzung gegenüber dem Wald vorleben und nehme sie deshalb mit, wenn die nächste Baumpflanzaktion ansteht.“ Als Jagdvorsteherin kann sie zugleich zwischen Privatwaldbesitzern und Jägern vermitteln. Jungbäume sind beim Wild als Nahrung beliebt, deshalb hält sich der Verbiss mit gezielter Bejagung in Grenzen. „Ich bin davon überzeugt, dass die Zukunft des Waldes nur mit allen gemeinsam entstehen kann.“
Jede Generation muss sich den Herausforderungen ihrer Zeit stellen.
Auf der Seite des Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kaufbeuren gibt es weitere Informationen






